Esther Leaming

The Thousand Lives of Judas Iscariot (excerpt)

I. I bought the field. When I heard that Jesus was condemned–it happened so fast, that same night–that morning I bought the potter's field. I dashed myself to bits. 

God showed me my body. In some twisted, final miracle, he let it stay there on the rocks, suspended in a state of fester, for months. The body bloated, grotesque, the flies buzzing overhead but unable to land, their eggs laid nearby, maggots crawling out but unable to feed.

II. I didn’t buy the field. I hung myself there. The priests bought the field after I had already died. I’d thrown the silver back at their feet in my grief.

III. I survived. The withered olive branch I’d lashed my rope to snapped under my weight and I fell onto the rocks below. I thought I would die there; I wished I would die there, but I did not. My skin was so badly burnt by the sun, my body began to retain water. My face swelled so I could not see. I could smell–and feel–the pus in my urine, and the worms. I was in so much pain I could not feel all of it at once. It moved from my head to my guts to my skin to my groin, and I passed in and out of consciousness. I imagined raising my hand to lift a rock, to dash it against my head, but I could not. I don’t know how many hours or days passed, but for some reason, God kept me alive, and one day, delirious and with my body crying out for what, I don’t know–water, food, shelter from the sun–I lifted my back from the rocks and my legs stood me up. I took a step, then another, then another, unseeing, my eyes still squeezed shut by my bloated face. Eventually, I felt dust under my feet and knew I was on the road.

I smelled fresh manure; it was a well-traveled path. I stood there waiting–for what? I did not want to be seen, but I had to be seen. I could not make myself die; neither could I make myself well. Eventually, the sound of donkeys’ hooves, the squeaking wheels of a wagon. The driver’s cry as he drew closer to my horrific body, my stench. The spook of the donkeys, the rattle of the wagon, louder now. Now even louder, as if it were upon me–

The mercy of the wagon to tip, the donkeys, to stampede, to crush me then and there.

IV. I was not crushed by the wagon. No wagon came. I walked the Earth half-alive; I stank, I was ugly, my foot dragged. I wore a cloak to hide myself, and I learned to come out only at night. The sun seared my fragile skin, and people stared at my deformity. They hid their children from me. “Bloodsucker!” they jeered.

V. There was no field, no hanging tree, no wagon. I agreed to meet Jesus in a place we both knew, where he wished to speak with me alone. As I walked, I heard scuffling footsteps and murmuring voices in the bushes behind me. I turned my head and said, “Who’s there?” And I saw Peter.

“Son of the Devil,” he said, advancing upon me. I saw the stone in his hand; stones in the hands of the others behind him: Bartholomew, Andrew, James. My heart clenched to see even Thomas there. I began to run. They chased me. A stone hit my hip; a stone hit the middle of my back. When the first stone hit my head, I saw in front of me a beautiful house. My eyes could not measure its size. Great men surrounded it; I saw and knew Abraham and Moses, Isaac and Jacob. The house was covered in lush green plantings; vines wrapped around its columns, and trees made its roof. I knew there was a crowd in the house; I heard their raucous voices. I wanted to join them, but the pain in my head made my vision black.

I do not know what happened to Jesus in this life; God has not shown me. Perhaps he lived.

I

Ich kaufte das Feld
an jenem Morgen an dem
ich hörte, dass Jesus verurteilt worden war
kaufte ich das Feld
des Töpfers. 
Ich zerschmetterte mich in Stücke. 

Gott zeigte mir meinen Körper.
Durch ein komisches, letztes Wunder
ließ er ihn auf den Felsen liegen,
monatelang,
in einem Zustand des Eiterns,
aufgebläht, grotesk,
die Fliegen über ihm summend,
unfähig zu landen,
die Maden herauskriechend,
unfähig sich von ihm zu ernähren. 

II               

Ich kaufte das Feld nicht. 
Ich erhängte mich dort. 
Die Priester kauften das Feld
als ich schon tot war.
In meiner Trauer
hatte ich das Silber zurückgeworfen
vor ihre Füße.  

III             

Ich überlebte.
Der verdorrte Olivenzweig brach
unter meinem Gewicht zusammen,
unter mir die Felsen.
Ich dachte, ich würde dort sterben,
ich wünschte, ich würde dort sterben,
aber ich tat es nicht. 

Meine Haut von der Sonne verbrannt,
Wasser in meinem Körper eingelagert,
mein Gesicht angeschwollen,
ich konnte nichts sehen. 
Ich konnte den Eiter in meinem Urin riechen,
– fühlen –, und die Würmer. 

Der Schmerz war so groß,
unmöglich ihn gänzlich zu spüren. 
Er bewegte sich von meinem Kopf
zu meinen Eingeweiden
zu meiner Haut
zu meiner Leistengegend.
Ich verlor das Bewusstsein,
fand es wieder. 

Ich weiß nicht, wie viele Stunden oder
Tage vergingen, aber Gott hielt mich,
aus irgendeinem Grund, am Lebe
und eines Tages, im Delirium,
in dem mein Körper nach etwas schrie
– ich weiß nicht, wonach:
Wasser, Nahrung, Schutz vor der Sonne –
hob sich mein Rücken von den Felsen,
und meine Beine stellten mich auf.

Ich machte einen Schritt,
dann einen weiteren
dann noch einen,
blind, 
meine Augen noch immer zugebläht,
irgendwann Staub unter meinen Füßen,
ich war auf der Straße. 

Es war ein viel begangener Weg,
ich roch frischen Mist,
stand dort,
wartete – worauf? 

Ich wollte nicht gesehen werden,
aber ich musste gesehen werden.
Ich konnte mich nicht dazu bringen zu sterben,
ich konnte mich nicht dazu bringen zu heilen.  

Das Geräusch von Hufen,
die quietschenden Räder,
der Schrei des Fuhrmanns,
als er sich meinem Körper,
Gestank näherte. 

Das Scheuen der Esel,
das Rattern des Wagens,
jetzt lauter, jetzt noch lauter,
als wäre er über mir – 

Die Barmherzigkeit des Wagens umzukippen,
der Esel auszureißen,
mich auf der Stelle zu zerquetschen. 

IV

Ich wurde nicht vom Wagen zerquetscht. 
Kein Wagen kam. 
Ich ging halb lebendig über die Erde;
ich stank, war entstellt,
ein Fuß schleifte. 
Ich trug einen Umhang als Versteck,
kam nur nachts heraus. 

Die Sonne versengte meine sensible Haut,
die Menschen starrten auf meinen deformierten Körper,
versteckten ihre Kinder vor mir,
spotteten, Blutsauger. 

V

Es gab kein Feld, keinen Baum
zum Erhängen, keinen Wagen. 
Ich sagte zu, Jesus an einem Ort zu treffen,
den wir beide kannten, an dem wir sprechen konnten. 

Auf dem Weg hörte ich
hinter mir in den Büschen
schlurfende Schritte und murmelnde Stimmen. 
Ich drehte den Kopf, Wer ist da?
Und ich sah Petrus. 

Sohn des Teufels, sagte er,
ein Stein in seiner Hand,
Steine in den Händen derer hinter ihm.
Bartholomäus, Andreas, Jakobus, sogar Thomas. 
Ich begann zu rennen, sie verfolgten mich.
Ein Stein traf meine Hüfte,
einer die Mitte meines Rückens, 
ein erster meinen Kopf.

Vor mir tat sich ein Haus auf, wunder
schön, von unmessbarer Größe,
umgeben von großen Männern. 
Ich sah, erkannte 
Abraham und Moses, Isaak und Jakob. 

Das Haus bedeckt von üppigen Pflanzen,
rebenumschlungenen Säulen, 
einem Dach aus Bäumen. 
Ich wusste, dass sich viele im Haus befanden,
hörte ihre ausgelassenen Stimmen.
Ich wollte zu ihnen stoßen, doch
der Kopfschmerz färbte meine Sicht schwarz. 

Ich weiß nicht, was mit Jesus in diesem Leben geschah;
Gott hat es mir nicht gezeigt. 
Womöglich lebte er. 

Lenja Hansen

Die 1000 Leben des Judas Iscariot