Chiara Zimmermann
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rote spritzer sammeln sich auf dem weißen plastik der stühle. die tomatensoße quillt uns aus den mundrändern, passierte. wir haben sie nicht erhitzt. es ist zu heiß. ich stelle mir vor, so juicy zu sein, dass ich jemandem so aus dem mund quille.
als ich aufstehen will, kleben die oberschenkel zusammen. ich staune über die kraft, die ich aufwenden muss, die schenkel voneinander zu trennen. es tat weh und ich denke an die wachsstreifen von dir auf dem rand der badewannen aufgereiht. das blut ist dunkel und klebrig, die blonden härchen jetzt rot gefärbt. auf dem hinteren teil des türkisen kleids sammelt sich das blut zu einem fleck. laufen lassen. einfach überlaufen lassen. ich asche ab und es zischt im kaffeerest im pappbecher der auf dem kleinen marmortisch steht, bevor ich unsere teller rein in die küche trage.
am nächsten morgen trinke ich einen kaffee im bett und dann circa 43 minuten später noch einen im café. danach ist mir heiß und ich frage mich, warum denn immer wieder. warum ich nicht höre, spüre.
am nachmittag auf der rückfahrt aus dem kleinen ort paulaner spezi. das glas der flasche ist kühl und ich halte es mir gegen die schläfe und an meinen brustkorb. frösteln und die nippel werden hart. alles sticht heraus, spitze patella, spitze nägel, sie haben ein loch in meinen rechten socken gebohrt. in österreich sagen sie, ich bin spitz auf dich.
der zug rollt schnell und ich lese in maggie nelsons argonauten, dass sich das wort für fötus aus dem arabischen von dschinn ableitet, was bedeutet: »vor dem anblick verborgen«. ich denke an dich, meine hülle und ob du dich wohl leer fühlst, ob dir kalt ist, so ohne mich in dir und denke an fatma aydemirs dschinns, die wassergeister
wassergeist, flaschengeist, ich dein fötus, als flaschenpost zu dir geschwappt. im muttermeer war es warm und rot und ich denke an donna haraway die sagt, der fötus und planet erde seien sibling seed worlds in technoscience.
geschwisterliche samenwelten und ich denke an m und mich in deinem bauch, unser planet, gehalten, warm und weich und flüssig
mommy earth, mutter erde, muttermeer und ich frage mich, ob all die flaschen noch irgendwo treiben und würde man sie rausfischen, wären sie noch auf meine kinderhände zurückzuführen?
what right does another human being have to be inside your body for the best part of the year, to make their way out of your private parts in a bloody, difficult and painful way, and then turn to you for nourishment, not to mention love – perhaps for the rest of your life? schreibt anne enright in time for change.
vor ein paar jahren erhielt ich einen brief von mir selbst. ich hatte ihn während der konfirmation an mein zukünftiges ich geschrieben, es stand nur ein satz darauf: bitte mama, trenn dich von papa.
geschlecht als eine farbe lese ich in die argonauten weiter, ich frage mich was für eine farbe du für mich bist, grün vielleicht, ein sanftes, und in bluets schreibt maggie über die farbe blau: you might want to dilute it and swim in it, you might want to rouge your nipples with it, you might want to paint a virgin’s robe with it. but still you wouldn’t be accessing the blue of it. not exactly.
ich sage blau und manche sagen, sie haben keine lieblingsfarbe. aber ich denke an die zungen gefärbt vom türkisen wassergeist eis. schlumpfeis, engelblau, azzuro. und ich erinnere mich nicht mehr an den geschmack und denke, dass wir die sorte nur wegen der zunge, nicht wegen des geschmacks bestellt haben und dass ich finde, das sollten wir wieder öfter tun. früher an die zunge. sensual sagen sie. zungen tasten und meine zunge sind zungen sind raupen und raupen durch dich durch.
p aus der gruppentherapie sagt, ich käme ihr vor wie eine welle, würde mich genauso entziehen, um im nächsten moment einmal über alles zu platschen. platsch platsch machen kinderfüße. platsch platsch in die pfütze, es schwappt und spritzt. ich will eine sms an l schreiben, danken, dass sie mit mir schwimmt.
Ich sage blau und denke an helles, weiches, ruhiges - - ich glaube ich bin dunkler.
sehen meine blauen augen die welt blauer?
how many miles does it take to swim to the self? schreibt alvina chamberland und schwimmen durch die straßen, durch die ströme können wir zwar aber nur wenn uns niemand aufhält. auch blicke können aufhalten.
die männer joggen vorbei und die nasse nackte haut berührt meinen arm, kein shirt, sein schweiß kriecht in meine nase, ich spüre ihn, und die haut glitzert und meine jetzt auch
they havn‘t got the memo yet sagt i.
and even if paris is trying to throw us in the canal platsch platsch, plansch plansch, - - chamberland chooses the water of the sea of the river of the lake in ice ice land
as trying to, waiting for the arms become soft and wabbelig
ich die welle, schwapp schwapp, schluckt, aber auch die suffixe und ich überschwappe, verschlucke.
man liegt nicht in den wehen,[…] die wehen reißen dich mit schreibt maggie und die wehen sind wellen und ich denke man muss doch untergehen
raupen raupen raupen raupen
bis ich rauskrieche bis
wieder an der zunge.
zungen schmecken
eyes being the dominating form of understanding in our culture
poor zungen
poor ears.
irgendwo lese ich farben sind gerüche.
poor nose.
zungen spüren zungen berühren.
sowohl der fötus als auch die erde siginify touch. provoke yearning for the physical sensuosness of a wet and blue-green earth and a soft, fleshly child.[1]
in einer zeit in der ich mich oft einsam fühlte, stellte ich mir manchmal vor, ein baby zu haben, daran das baby immer bei mir zu haben, berühren zu können
das baby und ich gründen eine clique
und wenn mein unterleib krampft legt sich meine hand wie von selbst zwischen hosenbund und haut, ich spüre wärme und denke: außenwahrnehmung how am i perceived where is the i am i perceived as
carrying someone
holding someone
taking care of someone
a smaller life depend[ing] on [me,] the bigger [life] […]
bin ich auch ein someone?
where is the i?
where is the i?
where is the i?
frieden bedeutete, nicht im bewusstsein eines anderen menschen zu existieren schreibt tove ditlevsen und ich verstehe, glaube ich, will das baby und mich einsperren, den schlüssel drehen, das haus nicht verlassen, oder es ewig in mir behalten, warm weich flüssig
aber dann wird es schwer und drückt und kriecht durch meinen brustkorb den hals hoch, wächst und wächst und ich mit, aber nur als copy paste,
und ich denke man muss doch untergehen.
frauen sind mutter erde, in direct relation to the source of life itself, nature. sie machen care work weil sie caren, sagen sie. sie machen self-care und sorgen sich um the source of life itself. dabei schwitzen sie, wie die flugzeuge am blauen himmel, nehmen sich den raum, den weltraum, damit kollabieren, damit alles in die luft jagen.
ich jage das baby über den teppich, danach habe ich rote flecken auf der haut an den knien, die erde muss explodieren, mutter erde muss überlaufen, damit nichts mehr funktioniert, schwapp schwapp macht die rote wehe und es spritzt.
[1] Vgl. Donna Haraway, The Virtual Speculum in the New World Order (1997)
Kristal Uribe-Cifuentes
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